Gemeinsam oder einsam in den Kindergarten ?

Eine entscheidende Frage im Leben von Zwillingseltern – schließlich möchte man ja alles richtig machen. Ja, auch wir haben uns diese Frage gestellt und uns für die Option EINSAM entschieden. Und ja, ich würde es wieder so machen, auch wenn der Entscheidung von damals einfache, nüchterne Argumente zugrunde lagen, wie z.B.:

  • ortsbedingt (muss ich vielleicht kurz erklären: In unserer Gemeinde gibt es zwar in der Regel zwei erste Klassen, aber die 1a war schon immer –auch schon zu meiner Einschulzeit, also vor ca. 30 Jahren- Oberdorf und katholisch; da wir beide Merkmale in unserer Familiengeschichte aufweisen können, wäre es ja ungerecht, wenn man den einen Zwilling in die 1a schickt, dieser hat dann alle Mitschüler und Freunde im unmittelbaren Umkreis, während man den anderen Zwilling in die 1b steckt und selbiger seine Mitschüler dann nicht einfach mal so besuchen kann, weil er Fahrschüler und Klassenkameraden im Unterdorf zu seinen neuen Freunden zählt); also ortsbedingt werden die beiden in der Grundschule wieder in eine gemeinsame Klasse gehen – wann wenn nicht im Kindergarten sollen sie sich also mal alleine entfalten können, eigene Freunde finden, sich nicht immer nur auf die Sprache und Raffinesse des anderen Zwillings verlassen, und, und, und, …
  • außerdem gibt es da noch eine große Schwester, die ja auch noch ein Kindergartenjahr vor sich hat, und welchen Zwilling soll man jetzt die Möglichkeit geben sich an die große Schwester dran zu hängen und welchen Zwilling lässt man sich alleine durchkämpfen ?

Die Lösung: 3 Kindergartengruppen und je ein Kindergartenkind

Dann haben wir einen Zwillingsbruder der sozial aufgeschlossen und immer bereit für Neues ist; so hat er auch keinerlei Probleme z.B. am Spielplatz neue Freunde zu finden, irgendjemand anzusprechen –egal ob groß oder klein, mit den anderen Mamis -seinem Alter entsprechend- zu flirten, ….

Im Kindergarten würde dann der andere Zwillingsbruder davon profitieren, so wie er es jetzt auch am Spielplatz macht und sich einfach mit dazu gesellen, also weiterhin ohne Eigeninitiative durch´ s Leben kommen.

Die entscheidende Überlegung aber war, dass der Zwilling, der im sozialen Bereich bisher etwas hinterherhinkte, in allen anderen Bereichen der reinste Üeberflieger war, so z.B. im Malen, Schneiden, Basteln, Wissen, …. einfach all das, was man am Anfang eines Kindergartenlebens schon brauchen könnte. Auch in sportlicher Hinsicht konnte ihm in seiner Altersklasse kaum jemand etwas vormachen, Purzelbaum vorwärts, rückwärts, balancieren, Roller fahren, …. .

Könnte die Gewissheit, dass man sich alles hart erarbeiten muss, während dem Zwillingsbruder alles einfach so in den Schoß fällt, mit der Zeit negativ Auswirkungen auf den Gemütszustand des anderen Zwillings haben ? 

 

Alle diese Gedanken wurden hin- und hergeschoben und über Monate hinweg diskutiert um dann zu dem Entschluss zu kommen: Jeder bekommt die Chance sich alleine durchzuwursteln.

Ja, auch heute noch sehe ich es als eine Chance und wie schon gesagt: Ja, ich würde es wieder genauso machen. Natürlich war es nicht immer leicht gerade am Anfang, aber ich glaube man muss es den Kindern schon im Vorfeld schmackhaft machen; auch wenn sie noch keine 3 Jahre alt sind, verstehen sie doch einiges.  Meine Kinder sind damals mit 2 ¾ Jahren in den Kindergarten gekommen und jedes von den Beiden hat sich auf seine Kindergartengruppe gefreut, auf seine neuen Kollegen, auf seine neuen Kindergärtnerinnen; stolz hat sich jeder mit seiner persönlichen Einladung und der neuen Kindergartentasche morgens mit uns auf den Weg gemacht und es war normal, dass der eine in Richtung Katzengruppe und der andere eben in Richtung Igelgruppe abbiegt.

 

Vielleicht ist es in der heutigen Zeit anders, denn viele Kinder werden ja schon ganz früh, auch im Alter von unter einem Jahr, in die Grippe gebracht, dies war vor –ja, mittlerweile sind es fast 10 Jahren- nicht möglich, weil es auch noch in der ländlichen Gegend schwierig war einen Kindergartenplatz ab 3 Jahren zu bekommen; zu dieser Zeit sprach kaum jemand von garantieren Krippenplätzen.

Trotzdem kann ich abschließend sagen, dass meine Zwillinge sehr viel selbständiger durch diese frühe Trennung vormittags im Kindergarten geworden sind. Auch die Nachmittage waren dann viel entspannter, denn die Beiden hatten sich ja ca. 4-5 Stunden kaum gesehen und somit gab es nachmittags viel zu erzählen; auch das gemeinsame Spielen stand wieder im Vordergrund. Jeder hat andere Ideen mit nach  Hause gebracht und in die Tat umgesetzt. Jeder hat Freunde gefunden und zum Spielen eingeladen und selbstverständlich gab es nach wie vor auch gemeinsame Freunde.

Natürlich war es schwer, als die erste Einladung zu einer Geburtstagsfeier kam und eben nur ein Zwilling eingeladen war. Es gab Tränen über Tränen und mein Mutterherz hat vermutlich mehr gelitten, als der weinende Zwilling. Aber wenn wir ehrlich sind, ist das Leben so - mal ist man dabei, manchmal aber auch nicht; mal gibt es Freude, aber manchmal auch Enttäuschungen mit denen man fertig werden muss, … - aber immer lernt man auch etwas für´ s Leben.

 

In diesem Sinne – viel Spaß bei eurer Entscheidungsfindung:                             

Gemeinsam oder einsam in den Kindergarten