Teil 2

Wie Sie aus der Alltagsgeschichte Teil 9 im vergangenen Monat erfahren haben, ist eine Schwangerschaft, eine Geburt und der Start in den Alltag mit Zwillingen nicht immer ein „Zuckerschlecken“. Das Leben ist nicht mehr so einfach – aber dennoch reicher, als man es sich je hätte vorstellen können.

 

Lisa und Lucas werden Ende des Monats 14 Jahre alt, sind also Teenager, befinden sich in der Pubertät und wir haben wirklich tolle 14 Jahre hinter uns. Wie im Teil 9 ausführlich beschrieben, war der Start ins Leben nicht rosig, aber dank hervorragender medizinischer Versorgung, liebevoller Betreuung, Glaube, Hoffnung, Fürsorge, Unterstützung durch Familie und beste Freunde und vor allem viel Liebe hatten wir das große Glück, doch nach 11-wöchigem Krankenhausaufenthalt zwei gesunde Kinder mit nachhause nehmen zu können. 

 

Prinzipiell würde ich allen jungen Zwillings-Eltern raten, in der Anfangszeit viel zu schlafen, jede freie Minute den eigenen Schlaf-Akku aufzuladen, denn für die Anfangszeit benötigt man noch einige Kraft und Nerven ☺.

Die ersten Jahre, meist bestehend aus Schlafmangel, wickeln + füttern im Doppelpack, Kinderkrankheiten sowie vielen Lernphasen – sind Jahre, durch die man / Mann / Frau einfach durch muss. Wenn die „2“ erst einmal aus dem Größten raus sind, selbständig essen, trinken, laufen, spielen können, einen geregelten Schlafrhythmus haben, wird alles einfacher und wunderschön. 

 

Ich möchte keinen Tag mehr missen, an dem mich 2 x 2 Augen am Morgen anstrahlen und „Guten Morgen Mama“ sagen. 

 

Kindergartenzeit:

LiLu waren in getrennten Gruppen, was sich auch als absolut positiv herausgestellt hat, jedes Kind hat die Möglichkeit, selbständig unabhängig voneinander Kontakte zu knüpfen und sich eigenständig zu entwickeln. Dennoch war es so, dass die beiden immer nacheinander geschaut haben, im Garten oder im Turnraum stets gemeinsam waren. Wenn einer traurig war, gab es immer jemand Vertrautes in der Nähe. An dem Tag, an dem ich zum ersten Mal den Kindergarten ohne die beiden für ein paar Stunden verlassen habe (wie sich das anfühlt,  kann sich vielleicht die ein oder andere Mama noch erinnern), kam ich am Mittag wieder, und hörte schon an der Eingangstür mein Kind schreien (ich erkannte natürlich gleich, dass das Lucas Stimme war), allerdings erblickte ich im Turnraum Lisa schluchzend ein wenig verletzt mit Blut an der Lippe (ist vom Hocker gestürzt) auf dem Schoß der Erzieherin, aber geschriehen „wie am Spieß“ hat er, rein aus Sympathie oder Sorge (weiß niemand so genau) zu seiner bzw. um seine Schwester. Die Erzieherinnen versicherten mir aber, dass er eigentlich „gar nichts hatte“, allerdings musste er in dem Fall mehr betreut werden, wie sie. Glücklicherweise hatten sich nach kurzer Zeit alle Gemüter beruhigt ☺.

 

Grundschulzeit:

LiLu waren hier in einer gemeinsamen Klasse, was gerade für den ersten Schultag, der sehr aufregend war, Rückhalt und Sicherheit beiden bot. Für den ersten Schultag verabredete sich jedes Kind mit einem Kindergartenfreund -/ Freundin, sich nebeneinander zu setzen. Als nun am ersten Schultag sich der Kindergartenfreund meines Sohnes kurzfristig anders entschieden hatte, und Lucas somit alleine da saß, entschied Lisa sofort, sich bei ihrer Freundin zu entschuldigen (es wurde schnell eine andere Lösung unter den Mädels gefunden) mit den Worten „sorry, ich kann meinen Bruder jetzt nicht im Stich lassen“. So saß sie neben ihm am ersten Tag. 

 

Weiterführende Schule:

Zur 5. Klasse haben wir uns entschieden bzw. die beiden sich selbst, dass sie in getrennte Klassen und auch Schulen gehen. Auch das bietet uns viele Vorteile und schöne Seiten: sie erleben einen Vormittag mit verschiedensten Eindrücken, Menschen und Lernmethoden getrennt voneinander, treffen sich aber am Nachmittag in ihren Zimmern nach der Schule und tauschen sich aus. Sie müssen erst miteinander „quatschen“, bevor es an die Hausaufgaben herangeht. 

 

Das sind nur ein paar von vielen Beispielen, die die besondere Bindung von Zwillingen untereinander zeigt, wir beobachten oft einen besonderen Zusammenhalt, eine Verbundenheit, die uns erstaunt, hauptsächlich erfreut  und einfach zum Schmunzeln bringt: wenn sich beide heftig streiten (was durchaus auch einmal vorkommt ☺) und zwar mit Ausdrücken und Beschimpfungen (die schlimmste Schwester der Welt), ich es zufällig mitbekomme, um was es geht, mich einmische, Partei ergreife (um zu helfen) und ein Kind zurechtweise, kann es durchaus vorkommen, dass das andere z.B. er zu mir sagt „Lass sofort meine Schwester in Ruhe, so schlimm ist das nicht“☺. 

 

Sie freuen sich miteinander, sie leiden gemeinsam, lachen viel miteinander, und sie halten zusammen in „guten wie in schlechten Zeiten“. Ein paar Tage „Auszeit“ mit nur einem Kind zB. Freizeit, Skikurs, Schullandheim ist „ungewohnt“, sicherlich auch Luxus für Eltern und Kind (man kann mal nur eines verwöhnen oder einer kann mal für sich ganz alleine entspannen), aber spätestens nach ein paar Tagen ist die Sehnsucht doch groß. Sicherlich haben sich dann im Laufe der Zeit aufgrund der Tatsache, dass es nun mal Junge / Mädchen sind, unterschiedliche Interessen und Neigungen herauskristallisiert, aber der Zusammenhalt ist sehr intensiv und schön.  Wie lange das anhält, was die Zeit der „jungen Erwachsenen“ noch so bringt, kann zum Glück keiner vorhersagen – aber spannend ist es auf alle Fälle. 

Der Zwillings-Alltag mit all seinen Facetten erfordert viel Fingerspitzengefühl, kostet Kraft und Nerven – aber gibt unendlich viel Freunde, Spaß, Liebe und Leben zurück ! 

Mein Tipp und meine Aufmunterung gilt all den „erschöpften“ Zwillingsmüttern: Augen zu und durch: es lohnt sich !

 

Alles ist doppelt … 

auch das Glücksgefühl ☺☺, 

wenn beide abends friedlich still und leise 

im Bett liegen und schlafen.